Beziehungskrise oder Normalzustand? Wie sich die Beziehung mit Baby verändert

Ein Baby verändert die Beziehung. Ok ich geb’s zu, das ist nicht besonders innovativ zu behaupten. Trotzdem finde ich, ist es das Thema wert, näher darauf einzugehen – denn was nicht nur ich sondern auch diverse andere im Bekanntenkreis für Erfahrungen gemacht haben, erfährt man nicht aus den tuffigen rosa Büchern oder den blumigen Forenartikeln über Elternschaft. 

 

 

Neue Rollenverteilung

Zunächst einmal; klar entstehen viele Kinder, weil die Eltern sie als Krönung ihrer Liebe ansehen oder verrückterweise denken, ein Kind würde ihre Beziehung retten oder gar deutlich verbessern. Ich möchte nicht die gesellschaftliche Denke verändern, denn sonst gäbe es ja keine Kinder mehr, aber vielleicht sieht sich die ein oder andere in dem Beitrag widergespiegelt  und fühlt sich nicht mehr so alleine damit. Ärgerlicherweise erfährt man ja von den meisten Müttern nicht, wie es wirklich ist (ich unterstelle jetzt einfach mal, dass es für keine Beziehung leicht ist, sicherlich mag es die auch geben aber so ganz perfekt erscheint mir doch utopisch!) und denkt, überall ist Teletubbyland, nur bei uns nicht…

Bei uns war es und ist es immer noch schwieriger, seit unsere erste Tochter geboren wurde; nicht nur, weil kaum noch Zeit für die Partnerschaft ist oder weil sie sich angewöhnt hat, ziemlich nervtötend zu kreischen, wenn wir uns unterhalten (streiten) wollen, sondern weil ein Baby einfach alles auf den Kopf stellt. Plötzlich gibt es nicht nur die Paarebene, man muss sich noch als Eltern definieren – wie steht man zusammen, welche Erziehungsstile, Einstellungen und so weiter hat man – und natürlich muss jeder für sich noch in die neue Rolle hineinkommen. 

Bei mir hat es bestimmt vier, fünf Monate gedauert, bis ich wieder gewusst habe, wer ich eigentlich bin, denn es hat mich enorm gefordert, den ganzen Tag nur noch nach dem Baby zu richten, nichts mehr für mich tun zu können. Sogar beim Mittagsschlaf konnte ich nicht aufstehen, denn das hätte sie sofort wieder aufgeweckt. Immer war da eine nervöse Grundanspannung, ich wollte sie nicht alleine lassen und habe auch in der Dusche immer Phantombabyschreie gehört und mich extra beeilt. 

Für die Väter ist es sicherlich noch schwieriger; sie haben das Kind nicht 9 Monate im Bauch und die ganzen abgefahrenen Hormone im Blut, die einen auf die Schlaflosigkeit vorbereiten. Plötzlich fällt dann die Partnerin sozusagen weg und erwartet auch noch, zwischen Arbeitsstress und miesen Nächten, dass der Papa ihr das Kind abnimmt oder alles so macht, wie sie es für richtig hält…

 

Und dann auch noch Kommunikationsprobleme

Früher hatten der Papa und ich ein schönes Ritual; so oft es ging sind wir stundenlang am Frühstückstisch sitzen geblieben und haben ewig diskutiert über alles, was uns so einfiel – wie schmerzlich wir das nun vermissen, kann man sich wohl vorstellen. Die einzige Möglichkeit, wirklich in Ruhe zu reden, ist spät abends, wenn die Kinder mal schlafen - also dann, wenn unsere Hirne auch schon den Gang über den Jordan angetreten haben. Wenn man dann auch noch andere Probleme hat, über die man sich nicht anständig streiten kann, wird es erst richtig unangenehm. Wie, wo, wann soll man die denn klären? Vor dem Kind sicherlich nicht, es soll ja nichts negatives mitbekommen.

Aber ist man dann noch authentisch, muss man nicht auch Konfliktbewältigung vorleben? Mir ist aufgefallen, dass ich automatisch meine Emotionen permanent runterkoche, weil ich es mir nicht leisten kann, ständig beleidigt zu sein oder mies gelaunt, wenn ich den ganzen Tag eine halbwegs gute Mutter sein möchte. Der Papa hat es da einfacher, der blöde Arsch kann ja in Ruhe arbeiten gehen und sich da entspannen… Ihr versteht das Dilemma.

Aber selbst Eltern mit einer längeren Beziehung im Rücken haben mir schon ähnliche Probleme geschildert; das erste halbe Jahr sei das schwierigste und dann würde es sich langsam wieder einpendeln. Eine Bekannte, die ein Kind zur Beziehungsrettung bekommen hat, hat sich dann im dritten Lebensjahr des Nachwuchses getrennt. Und bei uns war vorher das Teletubbyland – jetzt sind wir mit dem Fuß auf dem Gas an die Realitätsmauer gekracht. Beziehung ist harte Arbeit, der Satz hat sich mir im Studium mal eingeprägt… aber erst mit Kind wird einem das so richtig klar.

 

Trotzdem möchte ich noch klarstellen, dass keiner (auch keiner der Bekannten) seine Kinder missen möchte oder denkt, das Leben sei nicht reicher als vorher. Man kann sich nur nicht mehr so leicht was vormachen und das ist irgendwie auch gut so…

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