Peinlich? Nein! Einfach Eltern

Könnt ihr euch noch an früher erinnern, an das Leben ohne Kind/er? Fällt schwer ich weiß aber versucht es doch mal. Kennt ihr diese Situationen in denen man sich fragte warum diese Eltern so etwas mitmachen? Situationen, in denen sich einem nicht der Sinn erschloss und die man einfach nicht nachvollziehen konnte. Ihr wisst nicht was ich meine, na da helfe ich euch doch gerne auf die Sprünge.
 
 

Ich rede hier von Situationen die wir als Kinderlose einfach nicht verstehen konnten, und wisst ihr was das Schlimme ist? Heute bin ich der Meister dieser Situationen, ich habe sie geradezu gepachtet, früher unvorstellbar, heute einfach Alltag.

Ihr wisst immer noch nicht um was es vielleicht gehen könnte? Nein?

Achtung, ich werde mich hier nun einiger Klischees bedienen. Ich will hier niemanden persönlich angreifen, das Ganze ist bitte mit Ironie und einem Funken Sarkasmus zu verstehen.


Der Klassiker

Im Supermarkt, die klassischste aller Szenen, das Kind will Süßigkeiten haben, die Mutter sagt nein, das Kind weint, tobt, schreit. Was tut die Mutter, sie versucht unter den argwöhnischen Blicken der lieben Mitmenschen das Kind zu beruhigen, nach außen hin wirkt sie sehr gelassen und ruhig, aber innerlich brodelt es in ihr. Wenn alles nichts nutzt, das gute Zureden keinerlei Wirkung zeigt dann gibt sie eben nach ODER fängt an ein Kinderlied zu trällern um das Kind abzulenken, oder lässt das Kind einfach bocken und sitzt die Situation aus. Peinlich fand ich das früher und ich dachte warum hat die ihr Kind nur so schlecht im Griff oder erzogen? Ich wusste nicht wie das ist mit Kindern und das genau so ein Verhalten einfach an der Tagesordnung steht. Heute bin ich die Mama die dann an der Kasse steht und für die Kleine anfängt zu singen oder Quatsch zu machen Hauptsache sie ist abgelenkt und hört auf zu weinen.
 
 

Das Geschäft

Eine Familienfeier, das Baby macht in die Hose als ob es das normalste der Welt wäre riecht Mama am Po des Sprösslings und posaunt mal eben über 5 Tische hinweg "du Henry ich bin mal eben wickeln, dein Sohn stinkt gerade alles voll hier". Nein das ist noch nicht peinlich, nur ein bisschen vielleicht. Peinlich wird es erst, wenn die Mama dann aus der Klotür ruft dass sie das leider nicht alleine bewältigt bekommt und dringend Hilfe braucht um Herr über diese Lage zu werden. Nun ja und zu allem Überfluss, nach dem alles bewältigt wurde, allen Interessierten aber auch nicht Interessierten Anwesenden erzählt was ihr Spross denn da so fabriziert hat. DAS ist peinlich. Hierzu nochmal kurz der Denkanstoß, wer oder was berechtigt Eltern eigentlich darüber zu reden, ich verstehe es bis heute nicht....

Auch wenn wir das als Eltern etwas diskreter behandeln, kann ich jetzt nachvollziehen wieso eine solche Situation zu Stande kommt. Aber alles schon erlebt im Elternuniversum. 


Gesprächsstoff

Kaffeeklatsch bei der Freundin, eine handvoll Frauen die sich angeregt darüber unterhalten wie es bei ihnen ablief. Wie was ablief? Na was wohl die Geburt, kein noch so ekliges und blutiges Detail wird ausgelassen und als damals kinderlose Frau fand ich das nicht nur schrecklich zu hören sondern auch einfach unangenehm und peinlich. Ich fragte mich wo um Himmels Willen das Verlangen nach Privatsphäre geblieben ist. Heute verstehe ich es zumindest besser, ich will zwar nicht jedem mein persönliches Geburtstrauma im Detail schildern aber darüber zu reden tut gut und ich finde es nicht schlimm.
 


Übermutter

Mütter die ihrem Kind ins Ohr flüstern wie sehr sie es lieben und immer einen Kuss geben müssen, die ständig ihr Baby anstarren als sei es nicht von dieser Welt waren mir immer suspekt. Ja mein Gott da hat man halt ein Kind, das kann doch jeder. Muss man all diese Liebe so raus hängen lassen? JA!!!!! Muss man. Man kann nicht anders als Mama.
 
 

Thema Nummer Eins

Ein Treffen im Café, und das Einzige Gesprächsthema ist das Kind. Wie endlos langweilig, wie unsensibel dachte ich mir immer, hat die echt nichts anderes in ihrem Leben. Damals verstand ich noch nicht das ein Kind das Leben ist.

 

Übernachtungsgast

Haben früher Freunde mit Kindern bei uns übernachtet, habe ich nie verstanden was für einen Aufwand die da betreiben. "Habt ihr ein ruhiges Zimmer, habt ihr ein Kissen das XY nicht aus dem Bett fällt, aber er/sie muss wirklich seine Ruhe haben und pünktlich ins Bett, habt ihr das Essen auch nicht gewürzt, habt ihr die Türe zum Badezimmer geschlossen?". Also ich will ja nicht sagen das ich angenervt war aber ich habe es einfach nicht verstanden. Ein Bett, ein voller Teller und na ja dann geht das Kind eben mal zwei Stunden später ins Bett, so dachte ich. Oh Gott, heute weiß ich wie existentiell wichtig es ist, alles vorbereitet zu haben. Jetzt bin ich die nervige Mama die alles abgeklärt haben will. Ein kurzer Wink hiermit also an meine kinderlosen Freunde, echt es tu mir so so leid :-)
 
 

Urlaub, die schönste Zeit im Jahr

Urlaub im Hotel am Meer. Es ist heiß, es ist sonnig und die Kinder tummeln sich am Pool. Dann auf einmal ertönt Musik aus den Lautsprechern, ein schräges, viel zu lautes und ohrwurmartiges Kinderlied und Animateure in Tierkostümen (wie machen die das bei 33 Grad ohne umzukippen?) kommen tanzend aus ihren Ecken und die Kinder kreischen vor Freude und glückliche und stolze Eltern zücken ihre Fotoapparate um ihre süßen Kinder dabei abzulichten. ÄTZEND. Ja ja, ich geben zu heute verstehe ich das besser. Man will ja alles festhalten und sich später daran erinnern aber damals war mir allein schon die Musik ein Dorn im Auge, aber Kinder fahren da einfach drauf ab....musste ich auch erst selbst erleben um es zu glauben.
 
 

Fazit

Aus heutiger Sicht sind viele Dinge die Eltern tun oder über die sie reden oder wie sich sich verhalten, ganz bestimmt für kinderlose peinlich oder einfach nicht erklärbar. Ich weiß ja selbst noch wie es war, und obwohl ich Kinder schon immer toll fand war ich echt ignorant. Doch aus der Sicht als Eltern muss ich gestehen ist es das nicht, es ist nicht peinlich, es ist einfach Alltag. Der Alltag mit Kindern. Situationen die ich als kinderlose schräg fand, erlebe ich nun täglich mit meinem Nachwuchs. Dann laufe ich eben singend durch den Supermarkt, oder habe als einziges Thema (manchmal) eben nur meine Kinder aber so ist das einfach.
 
Als Elternteil ändert man sich von Grund auf und mit dem Kind auch die Wahrnehmung für bestimmte Dinge und Situationen. Das was ich damals als peinlich empfand ist heute ganz normal. Und ja, ich glaube ich habe einiges an Hemmungen verloren seit ich Mama, wer sonst würde sich trauen lauthals "ich lasse los" vor sich hinzu singen um das Kind glücklich zu machen ohne dabei die peinlich berührten Blicke der Menschen zu bemerken? 
 
 
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