Nachbarschaftskrieg - unsere Kinder sind immer zu laut?!

Na dann auf eine gute Nachbarschaft, so oder so ähnlich lautete der Satz damals im Jahr 2011 als wir in unsere Traumwohnung einzogen. 100qm, vier Zimmer und ein riesiger Garten nur für uns, uns war klar, hier werden unsere Kinder aufwachsen. 
 
 
 
 
 
Nett kamen sie uns vor, die Nachbarn von oben drüber, ein älteres Ehepaar, immer freundlich und hilfsbereit. Wenn man sich sah, dann unterhielt man sich, und wir dachten ehrlich, dass diese Menschen so was wie die zweiten Großeltern der noch nicht vorhandenen Kinder werden könnten. Sie waren einfach nett und wir hatten ein gutes Bauchgefühl. 
 
Und wieder muss ich erkennen, dass meine Menschenkenntnis tatsächlich miserabel ist. Wo fang ich nur an? 
 
Eigentlich begann alles an einem Abend noch weit vor den Kinder, ein Freitag, an dem wir Besuch hatten. Es war am Abend etwas lauter, man lachte und es war eben einfach Leben in der Bude. Am nächsten Tag fanden wir einen Zettel im Briefkasten darauf stand: „Spaß haben ist schön, Nachtruhe aber auch. Es gibt Menschen die in der Nacht schlafen wollen.“ Schon geil so was am Morgen mit der Post rein zu holen. Der Zettel war ausgedruckt und nicht unterschrieben, also durften wir raten vom wem er kam, ein tolles Spiel. 
 
Dann wurde unsere Tochter geboren, noch in der Schwangerschaft wurde ich im Hausflur ausgequetscht, aber auf eine nette Art und Weise. Zur Geburt schenkte man uns sogar einen Strampler und Socken für das Baby. Man bot mir an, zu klingeln, wenn ich den Wagen nicht die Treppe runter bekomme wegen des Kaiserschnittes oder besser wegen der Wunde davon. Fand ich toll, das Baby wurde stets angelächelt, und als sie etwas älter war, wurde mit ihr geredet und man sagte Dinge wie: „Gell, wenn du groß bist, dann kommst du zur XY hoch und wir essen eine Schokolade zusammen“. Also unwohl fühlte ich mich da noch nicht. 
 
Dann begann unser Baby zu schreien. Und es schrie und schrie und schrie und schrie. Sicher hörte man das über uns. Bestimmt sogar, aber abstellen konnten wir sie ja nicht. Wir bemerkten, wie wir im Hausflur plötzlich gemieden wurden, die Gespräche wurden weniger und wortkarger. 
 
Irgendwann zogen meine Eltern um, und meine Katze die bis dato noch bei ihnen lebte, zog zu uns. Leider vertrug die alte Katze sich nicht mit dem Baby und wollte nicht in die Wohnung, und saß nur im Hausflur. Die gute Seele Nachbarin bot an, sie kümmert sich. Nahm ich dankend an, da mir die Katze, die eine solche Angst vor dem Baby hatte, einfach sehr leid tat. Nach einigen Wochen aber wurde es der Nachbarin zu viel und sie sagte, wir müssen etwas neues suchen für die Katze. Tat ich auch, sie kam unter bei einer Freundin meiner Cousine und darf dort ihren Lebensabend verbringen. Dies war aber auch nicht recht, man unterstellte uns das wir die Katze womöglich ausgesetzt hätten. 
 
Ab da mied man uns komplett. Wenn wir den Hausflur betraten, hörte man zügige Schritte und das Knallen der Wohnungstüre oben. Scheinbar passten sie sogar die Zeiten ab, an denen sie runter in die Waschküche gehen. Früher sahen wir uns dort täglich, jetzt nicht mehr. Nun kann man sagen, gut, die gehen uns aus dem Weg, ist doch okay, aber bei mir löst das echt Unbehagen aus. 
 
Wir sind keine voreingenommenen Menschen, die Vormieterin erzählte uns bereits, dass sie argen Ärger mit „denen da oben“ habe, dass es komische Menschen seien und wir aufpassen sollen. Aber sie waren ja immer freundlich zu uns, und wir wollten wie gesagt ohne Vorurteile den Menschen begegnen. Sicher fielen uns Dinge auf, wie, dass am Abend, egal ob Sommer oder Winter, die Rollos um sieben runtergingen oder die beiden immer nur daheim sind, nie unterwegs, aber wer sind wir, darüber urteilen zu dürfen? 
 
Irgendwann im letzten Sommer weinte meine große Tochter, sie war sauer und wütend, sie tobte und es war recht laut auf der Terrasse. So laut wie es eben ist, wenn eine Dreijährige das Weinen beginnt. Auf einmal sagte jemand von oben „Hier das ist für dich“ und warf einen Schokoriegel runter. Das Kind hob ihn sofort auf und noch ehe ich was sagen konnte wurde hinzugefügt: „Damit du dich mal beruhigst“. Glaubt ihr mir, wenn ich sage, ich war so perplex, dass ich gar nicht wusste, ob ich dem Kind den Riegel jetzt abnehmen soll oder nach oben rufe, ob es denn Not tut, so was zu tun? Sich einzumischen und einem Kind, dem man seit Babytagen nicht mehr ins Gesicht blickte, einfach etwas hinzuwerfen, fand ich so daneben. Selbst wenn die Intention war, das Kind zu trösten, ich unterstelle nicht einmal, dass es deshalb getan wurde, damit man endlich das Weinen oben nicht mehr ertragen musste, ich persönlich finde das einfach nicht richtig. 
 
Mein großes Mädchen ist immer freundlich. Spielt sie im Garten und betreten die Nachbarn ihren Balkon, ruft sie immer ganz lieb „Hallo Nachbarn, hallo“. Sie steht da und winkt und ruft. Keine Reaktion. Nie. Das tut mir echt leid, sie hat nie was getan und wird ignoriert. Bis heute dachte ich auch, dass es nicht schlimmer werden, kann aber scheinbar ja doch.
 
Wir hatten Besuch eines Kindergartenfreundes und dessen Bruder. Irgendwann wollten wir nach draußen, also mussten vier Kinder im Hausflur Schuhe anziehen. Eines fiel hin und weinte, meine große Tochter war etwas überdreht und die Kleine fand ihren Schuh nicht und war deshalb quengelig. Alltag eben... für mich eine normale Geräuschkulisse. Und nun frage ich mich, sind wir echt so schlimm, so laut, so nervig? Muten wir den Nachbarn vielleicht tatsächlich zu viel zu? Ich weiß es ehrlich nicht.
 
Im Flur hallt es natürlich und alles wirkt wahrscheinlich doppelt so laut, irgendwann ging dann die Türe auf und eine Stimme schrie runter „Geht es vielleicht auch mal ein wenig leiser, Herrgott nochmal!“ und dann wurde die Türe mit einem mega Rumms wieder geschlossen. Meine große Tochter war so erschrocken, dass sie losheulte, und alle anderen standen fassungslos da. Meine Freundin schüttelte den Kopf und rief noch hoch, dass eines der Kinder sich eben weh getan habe und es deshalb so laut war, aber ich glaube, das nahmen die oben nicht mehr wahr. 
 
Ich liebe unsere Wohnung so so so sehr, und ich versuche wirklich nachzuempfinden, wie es für ein älteres Ehepaar sein mag. JA die Kinder sind oft laut, bei schönem Wetter sind wir im Garten, klar ist dann die Ruhe auf deren Balkon eher begrenzt, aber sie haben selbst eine Tochter und sollten doch wissen, wie es ist. Ich fühle mich mega unwohl und weiß nicht, ob es sinnvoll wäre mal ein Gespräch zu suchen. Apropos Gespräch, unser Vermieter rief uns auch schon an, er meinte er bleibe da neutral, er soll nur etwas ausrichten, nämlich dass der Geräuschpegel bei uns enorm sei... das war im letzten Winter. Gerade im Winter ist man viel daheim aufgrund des Wetters, und die Kids drehen eben manchmal auf. Ich will auch nicht ständig mit erhobenem Zeigefinger da stehen und sagen: “Pssst, ihr müsst leiser sein!“. 
 
Gerade suche ich händeringend nach einer Lösung. Da man ja scheinbar nicht mit uns kommunizieren will, ist es schwer für mich, abzuschätzen, ob ich nun einfach mal hoch gehen soll. Oder sollte ich vielleicht einen Brief schreiben? Ich bin ratlos. Mich belastet diese Situation sehr, ich fühle mich nicht wohl damit. Ich will nicht nachtragend sein oder jemanden in ein falsches Licht rücken, das ist nicht meine Intention. Ich sitze nur hier und suche gerade händeringend nach einer Lösung...
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