Als Mama darf man sich nicht für seine Kinder schämen

Meine große Tochter ist so ein richtiger Freigeist - mittlerweile ist sie dreieinhalb Jahre alt und zieht sich zum Beispiel nur Kleidung (oder Gegenstände) an, die ihr gefallen. Das geht schon so, seit sie zwei ist. Was nicht gefällt, bleibt eben im Schrank. Und ganz ehrlich, manchmal hat sie so Phasen, da muss ich hart mit mir kämpfen, aber dann sage ich mir - für Kinder darf man sich nicht schämen.

 

 

Nun lass das Kind doch nicht so auf deiner Nase herumtanzen!

Jedes Mal, wenn meine Tochter also wieder eine ihrer "Marotten" hat, dann stelle ich mich innerlich auf diesen Spruch ein. Irgendwer sagt ihn garantiert, meist sogar Leute ohne Kinder. Auch die, von denen man es nicht erwarten würde. Als meine Tochter ihre ausgeprägte Tütü Phase hatte direkt nach der Geburt der Kleinen, und ich es immer auswaschen und föhnen musste, da sagte doch glatt die liebe süße Hebamme, die selbst eher individuell war, ich solle mir nicht auf der Nase herumtanzen lassen.

Als ob es nur darum gegangen wäre, dass das Kind sich mal wieder eine Runde durchsetzen wollte - Bullshit. Sie war ziemlich durch den Wind und brauchte das Tütü als vertrautes Ritual. Irgendwie hielt sie sich daran fest in dieser schwierigen ersten Zeit mit Baby. Und bis heute gibt es immer mal wieder ein Lieblingskleid, das ihr so wichtig ist, dass es ausgeprägt angezogen werden muss. Und natürlich habe ich versucht, streng zu sein, lieb zu bitten, andere Kleider zu kaufen oder was weiß ich noch alles. Aber geholfen hat nur eins: abwarten. Auf einen Trend folgt irgendwann schon der nächste.

 

Wenn Kinder älter werden - Angst vor Mobbing und Ausgrenzung

Im Kindergarten fängt es ja oft schon an. Da gibt es angesagte Trends, momentan ist das für die Jungs die Ninjagos oder die Minions, für die Mädchen sind es Anna & Elsa, Hello Kitty geht eigentlich auch immer. Eine Freundin berichtete mir, dass ihre Dreijährige schon äußerst ungern ihren Biene Maja Badeanzug anziehen würde, weil sie sich darin nicht wohl fühle. Sie würde ihr auch lieber Kleidung kaufen, die angesagt sei, um sie nicht auszugrenzen. Klar, macht Sinn - deshalb bin ich total froh, dass wir unsere Tochter nun doch nicht in den Kindergarten gehen lassen. Denn sie ist momentan richtig nerdig hoch 10. Sie trägt nicht nur the one and only Anna & Elsa Kleid, nein - sie zieht auch mindestens drei Röckte drunter, einen Longsleeve von mir drüber weil der glitzert und noch ein bis zwei Schürzen. Egal bei welchem Wetter. Und wenn es raus geht, muss sie alles dann in eine Hose stopfen weil der Wind pustet...

Bei aller Liebe, aber ihre Silhouette erinnert mich manchmal an Obelix. Und ich hasse mich selbst dafür, dass mir das manchmal unangenehm ist, mit ihr rauszugehen. Alle möglichen Leute schauen komisch - und nein, mir geht es nicht darum, was die anderen denken, sondern ich möchte nicht, dass mein Kind mitbekommt, dass man über es lacht. Ich möchte aber andererseits, dass sie sich ihren Freigeist, so lange es geht, behält. Würde ich sie zwingen, andere Kleidung anzuziehen, würde ich sie nur unter Anwendung grober Gewalt aus dem Haus bekommen. Wenn es sehr heiß ist, zwinge ich sie, nur einen Überrock anzuziehen, und dann dauert das Gebrüll auch eine gute halbe Stunde, aber sie akzeptiert es dann "weil es zu heiß ist".

 

I wanna be me

Ab und an habe ich auch versucht, ihr zu sagen, dass andere Kinder nicht so herum laufen oder es vielleicht seltsam finden, aber das hat sie nicht wirklich verstanden. Zum Glück. Denn je länger ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich zu der Überzeugung, dass es gut und richtig ist, sie so sein zu lassen, wie sie ist. Sie hat ihren eigenen Kopf, und wer weiß - vielleicht ist sie irgendwann mal Designerin und erzählt lustige Geschichten aus ihrer Kindheit, wie sie ihren Modegeschmack entwickelt hat. Eigentlich auch total egal - ich bin mir sicher, dass Kinder ihren individuellen Weg gehen und auch finden, wenn man sie lässt und auch unterstützt.

Klar, die ein oder andere Grenze muss man aufzeigen (und ich denke da an vernünftige Gründe wie Hitze oder Schmutz), aber im Endeffekt setze ich darauf, dass sie so lernt, dass es in Ordnung ist, anders zu sein. Dass sie das macht, womit sie sich gut fühlt. Und dass ihre Eltern zu ihr stehen, sollten wirklich mal andere Kinder kommen. Das ist mir übrigens wirklich passiert, und ich beantwortete die Frage nach dem "Warum ist sie so dick" einfach mit der Information "Weil sie vier Röcke in die Hose gesteckt hat". Die Kinder zogen wieder ab und hatten die Erklärung akzeptiert.

 

„Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss wie andere Menschen.“
―Astrid Lindgren

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