... bei einem Jungen hättet ihr euch das nicht gefragt!

Es gibt immer wieder Gespräche, in denen Kinder miteinander verglichen werden. Das tut jeder, automatisch, unbewusst, beabsichtigt, mal mehr, mal weniger. Jeder Elternteil fragt sich auch, ob das Kind "normal" entwickelt ist, und die ganz ambitionierten überlegen, ob sie vielleicht etwas fördern müssten. Kann mein Kind gut genug schneiden? Oder lernt es alles ausreichend im Kindergarten? Mein Plädoyer für mehr Individualität - auch für Mädchen!
 
 
 
 

StarRe Rollenvorstellungen für Mädchen

"Sei Pippi, nicht Annika!" und ähnliche Sprüche machen in den Social Media gern die Runde. Die meisten Mamas und auch Papas heutzutage wollen starke Mädchen haben, die selbstbewusst sind und auch eine eigene Meinung vertreten. Aber dennoch, und da nehme ich mich und Papa Mercury nicht aus, schleichen sich da trotz alledem noch die Rollenvorstellungen mit ein, die man so hat. Unsere Peanut zum Beispiel sah lange Zeit aus wie eine Prinzessin, das war total ihr Ding und sie huldigte ihren Tüllröckchen und Kleidchen über ein Jahr. Sogar nachts mussten die sein. Wir waren genervt, richtig genervt, aber wir ließen sie. So sind sie halt, die Mädchen, richtig? Orientieren sich eben sehr an einem weiblichen Ideal und müssen es ausleben.
 
Mittlerweile ist mal wieder eine andere Phase dran, sie hat keine Lust mehr auf Röcke, sondern trägt lieber Leggins und Pulli. Eeeendlich mal keine Neonrosafarben! Aber, und jetzt kommt der springende Punkt, jetzt achten alle lustigerweise mehr auf ihre anderen Charaktereigenschaften. Jetzt, wo sie nicht mehr offensichtlich die Prinzessin ist. Da fällt dann zum Beispiel auf, dass sie lieber den halben Tag auf dem Bett herumhüpft und so garkeine Lust hat auf Puzzle und Gesellschaftsspiele. Ob das wohl normal ist? Herrje, sie ist ja auch noch kindergartenfrei, da müsste man doch selbst an solchen Punkten fördern. Mal in Ruhe zusammen hinsetzen und Defizite aufarbeiten. Sie ist ganz schön wild und frech, wenn man es genau bedenkt, nicht dass sie vielleicht ADHS hat. (Ich übertreibe jetzt extra etwas, so denke ich sicher nicht. Das ist so der überspitzte Tenor von allem, was ich höre und mir denke.) 
 

 

Gedankenspiel: Peanut wäre ein Junge

Und wenn wir das ganze nochmal mit einem Jungen durchspielen? Ich kenne auch aus dem Kindergartenalter so viele Jungs, die überhaupt keinen Bock auf Malen, Basteln, Steckperlen, Puzzle legen und so weiter haben. Die auch wirklich katastrophal schneiden, auch mit 4 oder 5. Die den ganzen Tag wild herum rennen und lieber klettern spielen oder eher mal ein Rollenspiel in der Bauecke machen. Klingt nach Peanut. Wäre sie also eine männliche Erdnuss, würde keiner auch nur auf den Gedanken kommen, sich Sorgen zu machen. Jungs sind halt einfach wilder und sitzen nicht so gern ruhig da, beschäftigen sich nicht so gern mit "langweiligen, feinmotorischen Dingen" alias "Mädchenkram". Aber kommt da irgendwerum die Ecke gehechtet und blökt "Pass mal lieber auf, vielleicht hat er ADHS!"? Nein. Da sagen die Eltern dann "Ach, er ist so ein typischer Junge." Je wilder, desto typischer. Ein kleiner Raufbold, maybe. Peanut, losgelöst von ihrem Geschlecht, wäre also eher ein mittelwilder Junge, völlig im Rahmen.
 

 

Wir müssen alle noch eine ganze Ecke dazulernen mit der Individualität

Immer und immer wieder muss ich darüber schreiben, wie wichtig es ist, die Individualität eines Kindes zu respektieren. Meist schreibe ich ja darüber, dass mein Kind (anderen gegenüber) sensibler ist, dass sie schneller überreizt als andere. Heute schreibe ich mal über ihre wilde Seite, denn die hat sie auch. Und auch da muss ich sie oft genug verteidigen, und das schmerzt mich oft ungemein. Ich sage dann, dass ich das geil finde, dass sie so rotzfrech ist, dass ich mir oft gewünscht hätte, ich hätte nur halb so viel Selbstbewusstsein gehabt. Dass es ihr Rückgrat sein wird und ihr Schutz, wenn sie nämlich wirklich nicht mehr Mamas Rochzipfel zum Verstecken hat, sondern alleine dasteht mit ihrer Hochsensibilität.
 
Das ist der Grund, warum sie noch so lange Mama tanken darf - ich will, dass sie ihr Selbstbewusstsein entwickeln kann, ohne Druck von außen. Und dann finde ich es wirklich bescheuert, dass sie für ihr Selbstbewusstsein auch noch kritisiert wird - ob sie sich denn da noch an die Gesellschaft anpassen kann, wenn sie so frech ist? Ob sie nicht zu wild und zu laut sein wird, wenn sie in die Schule kommt? Wäre sie ein Junge, wären diese Stimmen ganz ruhig, da würde der selbstbewusste kleine Kerl nämlich gefeiert für die tollen Fortschritte, die er gemacht hat.
Schnell und frisch kochen mit zwei kleinen Kindern...
Mit (High Need?) Kind in der KiTa arbeiten

Ähnliche Beiträge

 

Copyright © 2015-2017 2KINDCHAOS - ELTERN BLOGAZIN Alle Rechte vorbehalten.
Powered by Hilkert Consulting