Geht es dem Kind gut? Ja? Wundert mich.

Achtung, dieser Artikel kann Spuren von Ironie, Sarkasmus und schlechten Witzen enthalten. 
Aber so Kinder sind ja auch sehr hart im nehmen. Das darf man nicht unterschätzen. Müssen sie auch sein, schließlich haben schon die Allerkleinsten einen vollen Terminkalender. 
 
 
 
 
 
Da geht es Montags morgens zum Pekip, Dienstags zur Massage, Mittwochs zum Schwimmen, Donnerstags Delfi, Freitags Turnen. Nachmittags dann noch ein kleiner Spaziergang von 4-6 Stunden, das Kind muss ja schließlich an die frische Luft, und am Wochenende wird die Familie besucht. 

Ihr macht keinen der oben genannten Kurse? Warum? Das arme Kind, es langweilt sich doch zu tode zuhause. Und es hat ja nur ca 3-4 Millionen Spielzeuge. Was soll es denn damit anfangen, wird ja auch schnell uninteressant. Viel zuwenig Eindrücke sind das. Ist eh klar, dass es dann nörgelig wird. 

Für alle anderen verantwortungslosen Eltern, die ihre Kinder diesen Reizüberflutungen aussetzen, schauen wir uns die Kurse mal genauer an: 

PEKIP. Meine Güte, was ist das und was soll das?? Es ist doch nur irgendwie ein netterer Name für: das Kind spielt und die Eltern zahlen scheisseviel Geld dafür. 

Das ist Großartig. Das gleiche Spielzeug hat das Kind auch zuhause. Nur nicht in angesabbert, abgekaut und mit den neuesten Viren versehen. Und deshalb ist es dort auch viel interessanter. Es schmeckt einfach besser, wenn es mit dem Norovirus gewürzt ist. Oder das vorherige Kind da einmal schön seine Milch drauf verteilt hat. Lecker. Und die Eindrücke. Das ist viel zuviel für das arme Kind. Ist eh klar, dass es dann nörgelig wird. 

Aber auch das härtet ab. Vor allem die Mütter, die einen eigenen Koffer dabei haben, nur für die Wechselklamotten. Und dazu noch eine Reisetasche voller Spucktücher, drei bis vier Flaschen mit Wasser (von den Mönchen, ihr erinnert euch), zwei bis dreihundert Desinfektionstüchern, zehn bis zwanzig Windeln, zwei volle Tuben Bepanthen und natürlich die Notrufnummern. Von der Giftnotrufzentrale (falls das Kind mal etwas essbares vom Boden erwischt), sowieso dem Rettungswagen (falls das Kind sich mal zwei Zentimeter von der Mutter wegschleicht und dann natürlich tatsächlich hinfällt. Auf die Knie!!!), dem Kinderschutzbund (für alle anderen Mütter, die anders sind) und selbstverständlich von der Supernanny (für alle anderen Mütter, die anders sind). 

Gehen wir mal weiter. Dienstag. Massage. Da wird das Kind eingeölt (Für die Ahnungslosen, natürlich nehmt ihr dafür ein selbst hergestelltes Öl. Mit Oliven (aus dem eigenen Garten!!), Raps und Sonnenblumen. Natürlich presst ihr das alles im Schweisse eures Angesichts selber aus. Jedes Mal frisch.), bis es nur so über den Boden flutscht und dann schööööön durchgeknetet. Wie so ein Pizzateig. Das Kind wehrt sich (oder schläft), es pullert ALLES voll (es ist übrigens nackig dabei) und da es wie nasse Seife nicht zu halten ist, massiert die bemühte Mutter das Kind einmal quer durch den Raum. 

Da es ja auch mehrere Mütter in so einer Gruppe gibt, wird dann auch schon das eine oder andere Kind auf einmal von einer anderen Mutter massiert. Was zu massivem Geschrei führt. Natürlich. Aber dafür gibt es ja die Nummer vom Jugendamt. Kindesentführung und so. 

Im Übrigen, so als kleiner Tipp nebenbei, hat man das richtige Kind dann wieder, sollte man tunlichst so viel Massageöl wie möglich abrubbeln. Sonst kann es passieren, dass es aus dem Kinderwagen rutscht.

Mittwoch. Schwimmen. Ach, herrlich. Wie diese kleinen Würmchen in viel zu kaltem Wasser dazu gezwungen werden, Spaß zu haben. Da wird gesungen und gelacht, behende wie ein adipöses Walross durch das Wasser gehüpft und das Brüllen der Babys durch Lieder wie: “Das ist oben, das ist unten…“ mit einer Singstimme wie Dieter Bohlen ohne Eier übertönt. Mit einer aufgesetzten Fröhlichkeit, die selbst Florian Silbereisen vor Neid erblassen lässt. Und zum Ende dieser großartigen Lärmbelästigung, die den Putz von jeder Decke holt, werden die Babys noch getaucht.
 
Freudig strahlend, die Bedenken der Mütter durch ein eiskaltes Lächeln der Führerin, ähm, Kursveranstalterin, weggewischt. Die Babys brüllen zum Ende, nach dem Tauchen, noch mehr und wer vergessen hat, das Öl vom Vortag wegzumachen, wird spätestens jetzt hinter dem Kind herjagen, welches wie von der Kanone abgeschossen durch das Wasser saust. 
Hat wenigstens eines Spaß gehabt.

Donnerstag. Delfi. Ist eigentlich wie PEKIP. Nur anders. Und teurer. 

Freitag. Turnen. Sowohl die Kinder als auch die Mütter sind nach so einer Woche gar. Absolut überreif. Aber man muss das Kind ja fördern. Und Fordern. Sonst wird aus dem Balg nix. 

Wird es eh nicht. Aber man sollte die Hoffnung ja nie aufgeben. 
Also sehen wir die Mütter von allen Kevin-Schantalles und Dschäisn-Tschastins bemüht ihre völlig fertigen Babys und Kinder zum fröhlichen Turnen zu animieren. Das ist ein Spaß. Die Turnhalle, leicht muffig nach alten Sportsocken muffelnd, wird zum Hort der unterschiedlichsten Brüllgeräusche. 

Da gibt es das hohe Weinen, welches selbst die Trommelfelle von tauben, alten Berggorillas sprengen würden, das tiefe Schluchzen, so mitleiderregend wie eine nasse Straße und das hysterische Brüllen eines Hundes mit eingeklemmten Klöten. Aber kein einziges Kind, das Sport macht. 

Hach. Und nach einer oder zwei Stunden Lärmbelästigung ist auch dies vorbei. Und die Woche fast geschafft. 
 

Fehlen noch die Familienbesuche. Aber ich glaube, die sind einen eigenen Artikel wert. Oder was meint ihr? ;-) 
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