Ist das noch mein Kind? Ich verstehe sie einfach nicht

Gerade sind die letzten Tage vor Kindergartenbeginn und irgendwie sind wir alle etwas angespannt - vor allem die Große und ich. Peanut schwankt ständig zwischen Vorfreude und Angst und lässt auch verhaltensmäßig oft die Sau raus und mir geht es ähnlich... Mein Kind muss sich nun richtig abnabeln und dann ist da noch die Sache mit der emotionalen Distanz seit der Geburt der Kleinen...

 

 

Zwischen Trotz und Frust

Eigentlich hat die Trotzphase oder nennen wir sie Ablösungsphase immer mal wieder Hochkonjunktur bei Peanut, so richtig los ging es mit 1,5 Jahren und halbstündigen Schreiarien und mittlerweile ist sie so richtig rotzfrech, teilweise wie ein Teenager, lässt sich nichts sagen, stößt mich weg, wortwörtlich und übertragen, provoziert ohne Ende, geht auf ihre Schwester los, bringt mich derart an die Grenzen dass ich manchmal dastehe und mich nicht mehr erkenne. Aber auch sie erkenne ich nicht mehr, was ja irgendwo auch der Lauf der Dinge ist aber schlimmer ist das emotionale Einhergehen mit Entfremdungsgefühlen. Ist das noch mein Kind? Bei Baby Little Pea ist es viel einfacher, sie kann ich kuscheln, wir sind da noch in der Symbiosephase. Wenn sie brüllt, sage ich mir das ist ein Schub, Schmerzen oder was weiß ich. Sagen wir, es ist einfacher, sie lieb zu haben. Dabei braucht mich Peanut noch so viel mehr...

 

Wenn man seinem Kind (scheinbar) nie genug geben kann

Letztens habe ich einen Artikel gelesen über die fünf Arten, wie Kinder geliebt werden wollen. Das war ein richtiger Eye Opener für mich, denn auf ein mal wurde mir klar, dass dieses unersättliche Kind, das nie für irgendetwas dankbar zu sein schien und nur noch mehr forderte, einfach die falsche Art von Aufmerksamkeit bekam. Denn Peanut gehört leider zu der Sorte, die alleinige Zuwendung benötigt und dadurch Kraft tankt. Alles andere zählt in ihren Augen nicht so sehr. Und so litt sie laut unter dem Schmerz, ihre Mama teilen zu müssen, und zwang mich mit negativem Verhalten dazu, mich ihr zuzuwenden. Leider, und das merkte ich, brachte es mich auch dazu, mich innerlich abzuwenden.

Schlimm, wenn man so etwas sagen kann - nicht dass ich sie weniger liebte, aber ich schrieb sie auf die Art ab, dass ich mir sagte, es wird dann jetzt wohl so sein mit ihr und da müsste ich eben durch. Also ich schrieb vor allem mein Verständnis für sie ab und drehte jeden Tag immer ein wenig durch. Ich verstand ihre Sprache nicht, ich wusste, dass sie irgendetwas anderes hatte aber ich konnte mich nicht dazu durchringen, weiter zu denken. Ich war einfach am Ende mit den Nerven, fertig, frustriert dass es jetzt jeden Tag so extrem schwierig war, alleingelassen weil alles an mir hing. Ja, oft gab es Tage, da wollte ich nicht aufstehen, weil ich keine Lust auf den Tag hatte und nicht ins Bett, weil die Nächte ohnehin so zerpflückt sind, dass es kaum Erholung für mich gibt.

 

Meine große Tochter ist wieder nah bei mir

Und heute ist etwas passiert, das war sozusagen ein Barrierebruch zwischen ihr und mir. Sie hatte abends einige Zeit mit ihrem Papa gespielt und sich dann weh getan, kam laut weinend in meine Nähe, drückte sich aber nicht an mich, da ja das Baby auf mir schlief. Als ich die Arme ausbreitete, fiel sie regelrecht hinein, drückte ihr nasses Gesicht an meinen Hals und schluchzte. Nach einiger Zeit des Tröstens fragte ich, ob sie auch traurig sei, weil ich so wenig Zeit für sie habe, und das kleine helle "Jaaa!" bohrte sich schmerzhaft in mein Herz. Ich hörte nicht sondern fühlte regelrecht ihre Erleichterung darüber, dass ich sie endlich verstanden habe, und ich musste auch mitweinen, weil ich ihr so viel Ungerechtigkeit angetan habe. Immer wieder sagte ich ihr, dass ich es endlich verstanden habe, dass es mir so leid täte. Ich weiß nicht, ob das zu viel war, aber ich denke, dass auch sie auf einer tieferen Ebene gefühlt hat, dass sie endlich zu mir durchgedrungen ist. Und so heulten wir beide ziemlich lange und ziemlich traurig. Aber endlich wieder nah beieinander, ganz nah. So wie früher.

 

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