Weniger Perfektionismus: Warum es mir hilft, eine ok'e Mutter zu sein

Ich weiß nicht, ob es euch ähnlich ging, aber als ich das erste Mal Mutter wurde, war ich zwar ziemlich überfordert, aber ich dachte auch, dass ich eine gute Mutter wäre. Ich gab alles, was ich konnte, ging ständig über meine Grenzen hinaus. Ich spielte den ganzen Tag mit meinem größer werdenden Baby, erfreute mich an seinen Wachstumsschritten. Tragen, Stillen, Familienbett, Attachment Parenting. Ich dachte, ich würde zumindest das richtig machen, auch wenn es sehr chaotisch und anstrengend war. Dann kam die Autonomiephase und ich machte meine "ersten Fehler". In diese Artikel erzähle ich euch, wieso ich mich vom hohen Anspruch verabschieden musste, um eine bessere Mutter zu sein.
 
 
 
 
 

Baby - Mama sein im Vergleich zur Kleinkind - Mama

Mittlerweile denke ich, dass es relativ (!) einfach ist, bei einem Baby viel richtig zu machen. Ich meine, was brauchen die - jemanden, der ihre Bedürfnisse relativ schnell erfüllt. Das ist natürlich je nach Baby mehr oder weniger. Ich will nicht sagen, dass die Babyzeit einfach ist - das war sie natürlich bei mir auch nicht. Aber einfach im Sinne von, dass man eine Richtlinie hat, die ziemlich eindeutig ist, was richtig und was falsch ist. Man soll sein Baby nicht schreien lassen, man soll es immer füttern wenn es Hunger hat und so weiter. Man muss es nicht erziehen. Ihr wisst, was ich meine.
 
Und dann kommt die Autonomiephase, und man wird erstmals so richtig damit konfrontiert, dass man selbst auch eigene Triggerpunkte hat. Für mich war es super schwierig, meine 1,5 jährige Tochter zu sehen, wie sie ein bis zwei Stunden brüllt, dabei regelrecht schäumt und kotzt, sich selbst verletzt - und ich konnte nichts tun. Ein paar Mal hatte ich versucht, sie festzuhalten, mit dem Ergebnis, dass es nur schlimmer wurde. Ich war echt hilflos. Irgendwann akzeptierte ich, dass ich nur bei ihr sein und sie annehmen konnte, sie in ihrer Wut begleiten musste. Aber zu akzeptieren, dass ich nichts aktiv tun kann für sie, war schwierig. Man möchte immer alles regeln und die Welt in Ordnung machen. 
 
Das war so ein Punkt - zu denken, ich wäre für jede Emotion, für alles zuständig, das sie betrifft, und könnte und müsste es regeln. Aus meinem jetzigen Standpunkt her ziemlich bescheuert, denn es handelt sich ja um einen eigenständigen Menschen, auch wenn er noch so klein ist. Und die eingangs erwähnten Fehler mach(t)e ich wie wahrscheinlich jeder von euch aus Überforderung heraus. So Dinge wie mein Kind zwingen, in einem Schlafsack zu schlafen, obwohl es sich dagegen gewehrt hat. Ja, jetzt weiß ich auch, dass das eigentlich Gewalt ist. Aber damals dachte ich, sie strampelt und windet sich jede Nacht, nicht dass sie dann friert und sich erkältet. Mimimi. Heute schlafen beide Kinder ganz oft ohne Decke und keiner wird davon krank. Musste aber mal machen, die Erfahrung. Solche Beispiele gibt es massig, aber ich belasse es mal bei den beiden.
 
 

Ich wollte alles richtig machen - aber ich bin eben auch nur ein Mensch mit eigenen Grenzen und Schwachstellen

Und jetzt kommen wir zu dem Punkt, wo es problematisch wurde. Klar, man kann Fehler machen und es dann einsehen und besser machen. So läuft das mit dem Eltern - Dasein. Try & Error. Aber wirklich problematisch wird es ja, wenn man sich selbst total fertig macht, weil man alles perfekt machen möchte, dann merkt, es geht einfach nicht, weil man nicht mehr kann, und... ja, was dann? Manche explodieren regelmäßig, so wie ich. Ich schäme mich fast, davon zu erzählen, aber ich weiß, dass es vielen so geht.
 
Ich bin ein sehr geduldiger Mensch, bin sehr lange ruhig, kann mich gut beherrschen. Dachte ich. Aber wenn man monatelangen Schlafmangel hat, dann den ganzen Tag ohne Pause ein anstrengendes Kleinkind (oder mehrere) zu betreuen hat, und dann noch den Anspruch an sich selbst, alles perfekt machen zu wollen... BÄM! Da passt die Gleichung sowas von nicht mehr zusammen. Es heißt ja immer, wer sich um sich selbst kümmert, kann sich gut um andere kümmern. Aber wer kümmert sich um die Mütter? Sobald die das Kind geboren haben, interessiert sich kaum einer mehr für sie, seien wir doch mal ehrlich. Da kann man ja froh sein, dass es dem Kind gut geht, und alles andere - haste ja so gewollt.
 
Kurzum, ich strengte mich megamäßig an, nicht nur zu funktionieren, sondern alles richtig zu machen. Ich las regelmäßig Erziehungsliteratur und Beiträge, wollte das dann auch alles umsetzen, reflektierte mich und alles um uns herum. Das ist zwar eigentlich eine gute Sache, aber man sollte eines nicht vergessen: man ist ein Mensch mit begrenzten Ressourcen. Wäre ich ausgeschlafen, hätte ich jemanden, der mir Pausen verschafft und mich auch noch unterstützt am Tag, dann wäre ich vielleicht in der Lage dazu, alles besser zu machen. Der Mensch ist nicht dazu gemacht, allein seine Brut großzuziehen, er ist ein Rudeltier. So, wie wir heute leben, ist es nicht artgerecht - und das bügeln meist die Mütter aus.
 

Sei nachsichtig mit dir selbst - ok ist gut genug!

Das möchte ich all den Mamas sagen, denen es ähnlich ergeht wie mir. Dieses Scheitern am eigenen Anspruch und sich dann noch fertig machen, weil man "versagt". Es kann einfach nicht gehen, dieses nicht - artgerechte Leben und dann alles perfekt machen wollen. Selbst unter besten Bedingungen - sagen wir, Leben in einem liebevollen Clan, in dem mehrere Mamas und Papas zuhause bei den Kindern sind und sich gegenseitig unterstützen - wird es immer noch die individuellen Triggerpunkte geben. Dinge, bei denen wir plötzlich ausrasten oder nicht mehr können. Individuelle Schwachstellen. Das ist auch ok, denn wir sind keine Roboter. 
 
Mir hat es so sehr geholfen, mir selbst zu sagen, dass ich eben nicht mehr perfekt sein möchte. Ich schreibe mir auch im Blog nicht "Attachment Parenting" auf die Flagge, oder "Ratgeber & Tipps". Das möchte ich nicht, denn ich bin wie gesagt weder perfekt noch kann ich irgendetwas herausragend gut. Auch im privaten Umfeld sage ich immer, ich gebe keine Ratschläge, denn jeder hat andere Vorraussetzungen und Vorlieben, die nicht 1:1 auf mich und mein Leben passen.
 
Was mache ich jetzt also anders? Ich erlaube mir, egoistischer zu sein. Ich suche mir Freiräume am Tag, wo es nur geht. Ich lasse wenn möglich die Kinder alleine spielen, ohne dass ich denke, ich müsste sie jetzt aber im Bereich XY fördern. Wenn ich zu k.o. bin, dann gibt es eben keinen geilen Ausflug. Oder sogar mal (länger) eine Youtube Kinderserie. Ich versuche nicht mehr, irgendwelche Richtlinien von Erziehungsideal ABC umzusetzen, sondern schaue, dass ich nach meinem Bauchgefühl handle. Und das bezieht mich selbst und meine Bedürfnisse auch mit ein.
 
Ich schimpfe meine Kinder nicht mehr für Dinge, die "man nicht macht", sondern lasse sie dann eben herumsauen oder was auch immer sie tun möchten - so lange, wie es mich nicht wirklich stört. Wenn es mich stört, dann bin ich auch mal eine uncoole Schimpfmama, auch wenn es eigentlich meinem Ideal entspricht, alles auszudiskutieren usw. Ich schimpfe lieber ab und zu ein bisschen, als so lange meine Wut runter zu schlucken, bis ich irgendwann explodiere - und dann meinen Kindern Angst mache. So wissen sie, dass ich meine Grenzen verteidige, aber sie genauso das Recht haben, mir zu sagen, dass ich nicht so motzen soll. Ich weiß nämlich mittlerweile, dass es ganz schädlich von mir war, vorzuleben, keine eigenen Grenzen zu haben, denn so konnten die Mädchen ja nicht lernen, sie zu respektieren.
 
Love & Peace,
 
eure Frida
 
 
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