Bedeutet Attachment Parenting Selbstaufgabe?

Momentan gibt es einen ziemlich geringschätzigen Artikel von Carolin Rosales in der Zeit, in dem die Autorin erzählt, wie sie selbst versuchte, sich für die Kinder aufzugeben und dann daran scheiterte. Nachdem sie nun auf ihre eigenen Grenzen achtet, geht es ihr besser. So weit, so gut. Aber hätte sie gleich alle Attachment Parenting Grundsätze verarschen müssen? Interessanterweise stehe ich ja zum Beispiel in puncto Einschlafsituation ähnlich da, es prallen meine Grenzen auf die Bedürfnisse der Kinder. Meine Gedanken zum Thema Attachment Parenting und Selbstaufgabe.
 
 
 
 
 
 

Jeder hat eigene Grenzen, in denen er Attachment Parenting praktizieren kann, so er denn will

Meines Erachtens gibt es nicht "das" Attachment Parenting. Es gibt natürlich einschlägige Literatur und Blogs, ganz vorne dabei kann ich uneingeschränkt "Geborgen Wachsen" empfehlen. Es geht hierbei kurz gesagt um bindungs- und bedürfnisorientierte Erziehung, wobei auch viel eine Einstellung bzw. Frage des Respekts vor dem Individuum Kind darstellt. Attachment Parenting ist, wenn zum Beispiel Langzeitstillen, Tragen, Familienbett und eine Erziehung, bei der man sich vorrangig fragt, welche Bedürfnisse das Kind hat, im Vordergrund stehen. Wobei es natürlich auch darum geht, dass jeder eigene Grenzen hat, die ebenso eine Daseinsberechtigung haben wie die des Kindes.
 
Manchmal habe ich beim Lesen im Internet den Eindruck, dass es viele Mütter gibt (oder die sich zumindest so präsentieren), als hätten sie keine Grenzen, als wäre es kein Problem, sich völlig aufzugeben, keine Me Time mehr zu haben. Die Kinder sind ja früh genug selbstständig und dann habe man noch genügend Zeit für sich selbst. Und hey, jetzt kommt der Punkt: wenn das für jemanden in Ordnung so ist, wo ist das Problem? Und wenn es für jemanden nicht in Ordnung ist, dann ist es trotzdem Attachment Parenting, wenn man die Bedürfnisse aller Familienmitglieder gegeneinander abwiegt und einen Konsens findet. Es geht nicht (!) um irgendwelche religiös fanatischen Dogmen, die jeder durchsetzen muss und ansonsten aus dem Club ausscheidet. Puh, erleichternd, oder nicht?
 

Attachment Parenting heißt nicht verwöhnen oder helikoptern

Frau Rosales im eingangs erwähnten Artikel spielt schlussendlich auch noch die Winterhoff Karte aus und behauptet, Attachment Parenting würde das Kind nur verwöhnen, unselbstständig werden lassen, die Eltern könnten sich nicht ablösen und würden deshalb um das Kind helikoptern. Also so sehr ich die Autorin mal geschätzt habe, das finde ich schon ziemlich krass. Eigene Erfahrungen, klar, kein Ding. Aber so verallgemeinern? Sicherlich gibt es diese Eltern, und bestimmt auch einige in der Attachment Parenting Ecke. Aber ganz sicher betrifft es nicht alle. Um mal aus meinem Erfahrungsschatz zu schöpfen - eigentlich habe ich keine Helikoptereltern kennen gelernt, dafür aber ein paar Helikopter Großeltern, also die frühere Generation, die den Kindern wenig zutraut und sie am Liebsten in Watte packen würde. Die meisten Eltern heutzutage, und das betrifft nicht nur die aus der AP Ecke, machen sich viel mehr Gedanken, was richtig und was falsch ist, sie belesen sich und bemühen sich, alles richtig zu machen. Und ja, sie springen auch gern mal auf einen Trend auf. Aber ist das automatisch schädlich für ein Kind?
 
Um mal wieder zu mir zurück zu kommen: ich erfülle wohl viele Attachment Parenting Klischees, aber ich lerne auch zunehmend mehr, auf meine eigenen Grenzen zu achten. Und das sogar, ohne Winterhoff zu lesen. Ich würde sagen, es ist einfach der natürliche Weg, den man als Mama oder Papa geht - man hat Vorstellungen, wird mit der Realität konfrontiert, muss seine Grenzen finden, schauen, was geht und was nicht. Und dann irgendwann findet man zumindest so halbwegs seine Richtung, die man auch immer wieder den aktuellen Bedürfnissen anpasst. Das ist Elternschaft.
 
Was speziell das Einschlafbegleiten angeht, das mich so nervt momentan, stehe ich nun vor der Frage, ob ich es abwarten kann, dass es sich von allein ändert (ob die Kleine endlich mal fertig gezahnt hat oder das Gehirn endlich mal etwas weiter reift und sie besser einschlafen kann,) oder ob ich ein paar Schrauben drehen kann, um es für mich selbst besser zu gestalten. Trial & Error. Muss ich mich dafür schämen, dass ich nicht sofort die beste Lösung parat habe, sondern erstmal von mir selbst erwarte, eine Situation zu meistern? Muss ich mich dafür schämen, dass ich meine Kinder so liebevoll wie möglich begleite, und erst wenn ich selbst nicht mehr kann, innehalte und überlege? Für mich ist das völlig selbstverständlich. Wohlgemerkt ist es nicht selbstverständlich, mich zu opfern, das wäre dann das andere Extrem zu der Holzhammer Methode.
 
Am Ende muss man eben die Bedürfnisse aller gegeneinander abwiegen und einen gemeinsamen Konsens finden. Einen auf Winterhoff zu machen wäre wohl eher, den Kindern aufzubürden, alle negativen Energien auszuhalten, anstatt es mal als Erwachsener zuerst zu versuchen.
 
Love & Peace,
 
eure Frida
 
 
 
 
 
Mehr Statements zu Attachment Parenting findet ihr gesammelt bei der Blogparade von Geborgen Wachsen.
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