Sinnlose Wutanfälle? Gibt es nicht! Wie ich meine Tochter besser verstehe

Meine große Tochter geht stark auf die 5 zu und ist in so vielen Dingen schon so unglaublich gereift emotional, dass ich richtig stolz auf sie bin. Und manchmal kommt es aber - phasen- oder tageweise - wieder dazu, dass sie ewig lange brüllen kann, scheinbar grundlos, und sie lässt sich auch kaum beruhigen, fängt immer wieder mit neuen Gründen an, weshalb sie brüllen muss. Bis mir dann letztens klar wurde, dass ihr Verhalten da sehr wohl einen Sinn hat...
 
 
 
 
 

Tagelang vernünftig - die Kooperationsbelastung staut sich auf

Ist etwas komisch formuliert, aber im Prinzip meine ich: Peanut schafft es tagelang, sich unseren Wünschen anzupassen, wenn sie merkt, dass es uns wichtig ist. Als wir zum Beispiel für eine Nacht in Wuppertal waren wegen der Wubttika - erst stundenlang Autofahren ohne Meckern, dann völlig überdreht in der Wohnung immer wieder ruhiger sein sollen, dann in einem fremden Bett schlafen, das sie gegruselt hat, dann morgens direkt ohne Mama sein, während die kleine Schwester gebrüllt hat, war sie stark, dann allein mit Papa, dann das Event selbst und schließlich wieder eine lange Heimfahrt. Und was mache ich Rabenmutter am nächsten Tag? Bekomme auch noch dick und fett Migräne. Habe keine Zeit für sie. Das kennt sie, darauf nimmt sie auch Rücksicht, bleibt bei dem Papa und macht alles mit, was er vorschlägt, wo sie normalerweise immer an mir klammert. Und den Tag darauf - bin ich völlig gefrustet, dass ich so viel zu tun habe, und verbringe das Mittagsschläfchen von Little Pea mit Büroarbeit, habe total schlechte Laune. 
 
Am Abend dann knallte Peanut durch. Oh Mann, wenn ich alles so gesammelt aufschreibe, tut es mir echt im Herzen weh. Klar, mir ging es auch nicht gut, aber ich hatte in der Situation erstmal auch kein Verständnis für sie, sah sie nur als Hindernis. Natürlich gehe ich eine Zeit lang auf sie ein, aber wenn stundenlang gebrüllt wird, kann man auch irgendwann nicht mehr gut zuhören. Und wieso wird stundenlang gebrüllt? Weil ich an der Stelle falsch reagiert habe. Anstatt ihr einfach mal danke zu sagen und ihr zurückzumelden, dass ich es anerkenne, was sie alles geschafft hat und das, obwohl sie viel mehr Mama gebraucht hätte und das Versprechen darauf, ihr ein wenig Exklusivzeit zu sichern, anstatt immer nur zu arbeiten, habe ich noch genervt reagiert, dass sie immer weiter geweint hat. Ich habe nur mich selbst gesehen in dem Moment und mich nicht weiter in das Gesamtbild vertieft, um Peanut wirklich zu verstehen.
 
 

Manchmal braucht es gar nicht so viel - nur Liebe und verständnisvolle Worte

Nachdem dann die ganze Familie völlig durch den Wind und genervt war vom stundenlangen Gebrüll, machte es irgendwann mal bei mir Klick. Ich sprach einfach aus, was sie wohl fühlen könnte; dass sie so viel ausgehalten hat und Rücksicht nehmen musste und das über so einen langen Zeitraum hinweg. Natürlich in kindgerechter Sprache. Dass sie Mama gebraucht hätte und ich dann heute auch noch gearbeitet hätte. Es war, als breche ein Damm - eine unsichtbare Last fiel von den schmalen Schultern, sie mich an und ich sah, dass ich sie nach so vielen Stunden erstmals wieder erreichte. Ja, Mama.
 
Ich entschuldigte mich bei ihr, nahm sie in den Arm, erklärte, dass ich es nicht gesehen hätte, weil ich nur daran gedacht hatte, wie es mir geht und was ich alles machen muss. Wie schrecklich falsch von mir. Dabei kenne ich sie doch eigentlich so gut wie sonst keiner. Ich versprach ihr, morgen während des Mittagsschläfchens etwas nur mit ihr zu machen, und es tat mir etwas im Herzen weh, dass sie sich so darüber freute. Ja, es ist wahr, ich gebe ihr, ihr allein, viel zu wenig. Und dann ist sie so ein dankbares Kind, das sich dann auf einmal wieder um die kleine Schwester kümmert, ihr beim Aufräumen hilft, sie gemeinsam mit mir ins Bett bringt. Und dann, obwohl sie eigentlich wieder aufstehen wollte, in tiefen Schlaf fällt.
 
Ja, diese kleinen Lektionen bekommt man als Mama oft genug erteilt, mir jedenfalls geht es so. Und ich bin sehr dankbar dafür, dass ich Kinder habe, die mir auch so deutlich spiegeln, wenn etwas schief läuft. Denn ohne dieses Feedback würde ich weiter nicht über meinen Tellerrand schauen.
 
Love & Peace,
 
eure Frida
 
 
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