Essen gehen mit Kind(ern) - vom Sitzen auf dem Präsentierteller und übergriffigen Begegnungen

Wir gehen nicht oft essen - jetzt weiß ich auch wieder, wieso. Man fühlt sich wie auf dem Silbertablett, alle schauen von außen auf einen drauf, und man weiß nicht, ob es Paranoia ist oder Realität, aber ich stelle mir dann immer vor, dass alles beobachtet und kommentiert wird, was ich mit meinen Kindern mache. (Und wehe, die benehmen sich daneben... mir ist es sogar schon mal passiert, dass sich andere Gäste dafür eingesetzt haben, dass wir rausgeschmissen werden.) Aber eine Begegnung hat dem echt die Krone aufgesetzt...

 

 
 

Bilde ich mir das nur ein oder schauen wirklich alle?

Ich rede jetzt nicht von Junkfood Lokalitäten, wo sich Familien ohnehin tummeln, sondern von so richtigen Restaurants, mit Stofftischdecken und Stoffservietten. Wenn man da Pech hat und sonst keine Familien anwesend sind, dann ist man da wie auf dem Präsentierteller ausgestellt. Klar, sonst nuscheln alle nur mit ihren Tischnachbarn, mümmeln ihr leckeres Essen rein, komplimentieren die Servicekräfte. Und dann fallen so laute Kinder natürlich auf. Kinder, die noch nicht wissen, dass man die ganze Zeit still am Tisch zu sitzen hat. Dass man nicht lautstark nach dem Klo fragt. Dass man nicht auf Papas Schoß sitzt und direkt in den Teller grabscht. Oder verkündet, dass das Essen irgendwie komisch schmeckt.
 
Und wenn man länger auf irgendetwas warten muss, dann fangen die auch noch an, zu spielen. Kinder, echt jetzt. Im schlimmsten Fall könnten die sogar unter den Tisch krabbeln oder (keuch!) herumrennen. Tja, und ich habe das Gefühl, dass ich dann auch permanent unter Beobachtung stehe und für den ein oder anderen das Abendgesprächsthema darstelle. "Früher hätten wir das nicht so gemacht." oder "Wieso sind die hier, die habe ihre Kinder nicht im Griff."
 

 

Darf man mit Kindern überhaupt essen gehen? 

Klar, ich will die Leute nicht stören, die sich einen schönen ruhigen Abend machen wollen. Deshalb gehe ich wenn überhaupt auch lieber in Junkfood Lokalitäten oder eben gar nicht weg. Aber manchmal tut man es ja anderen zuliebe. Und abgesehen davon frage ich mich, wieso Kinder nicht generell willkommen sind, sofern sie eine gewisse "Grundsozialisation" genossen haben.
 
An dieser Stelle schreien die Menschen ja gern auf und erzählen von Kindern, die über Tische und Bänke klettern, wie Tarzan herum schreien, Essen werfen und von ihren Eltern nicht mal ansatzweise angepfiffen werden. Das ist definitiv ein Extremfall, der natürlich nicht wünschenswert ist, aber ganz ehrlich, das habe ich noch nicht erlebt. Nicht mal im Indoor Spielplatz. Kinder gehören zur Gesellschaft dazu, und meist geben sich Eltern die größte Mühe, dass sie sich anpassen und sich kooperativ verhalten.
 

 

Übergriffige Begegnungen - was machste da?

Und manchmal gibt es Begegnungen, die toppen erstmal alles. Klar, die Tuschler, die kann man aussperren aus der Wahrnehmung. Aber was ist mit denen, die sich aktiv einbringen? Eine Frau, sicherlich kinderlieb, hatte sich auf meine Kinder eingeschossen, sobald die sich vom Tisch weg bewegt hatten. Nein, mit uns wurde nicht gesprochen, alles lief über die Kinder. Leider war sie auch so weit weg, dass man sie nicht einfach ansprechen konnte. Ich sah also nur und hörte nicht, wie sie mit meiner Großen Smalltalk betrieb, wie die beiden Mädchen immer wieder irritiert vom Spiel aufschauten und brav Fragen beantworteten.
 
Ok, dachte ich, wenn sie mit ihr reden, wird sie wohl einigermaßen nett sein. Immer wieder, auch in ruhigen Mümmelphasen, sah sie zu uns rüber, nickte den Kindern freundlich zu, unterhielt sich angeregt mit ihren Tischnachbarn über sie. Vielleicht einen Schwank aus ihrer Jugend? Oder wie sie ihre Kinder erzogen hat? Kurzum, es war irgendwie nett und irgendwie seltsam. Ich persönlich bin ja auch immer irritiert, wenn man mich komplett ignoriert, dafür aber mit meinen Kindern redet.
 
Tja, und dann kam der Hauptgang. Beide Kinder waren ausgehungert und aßen manierlich für ihre Verhältnisse und sogar relativ viel. Natürlich wurden sie von der Lady abgefangen und gefragt, wie das Essen gewesen sei. Ein kontrollierender Blick von ihr zum Kinderteller. Und ich hörte von Weitem, wie sie lautstark forderte, dass Peanut doch wohl ihren Teller noch leer essen müsse. Da sei ja noch was drauf. Mein Kind zuckte zusammen, kam sichtlich geknickt zu mir zurück. Sie hatte etwas falsch gemacht, die nette Frau war böse auf sie.
 
Ich betonte, dass sie nicht alles essen müsse sondern - wie immer - nur so viel, wie sie Hunger habe. Trotzdem setzte sie sich an ihren Platz und stocherte unglücklich auf ihrem Teller herum. Die Frau lächelte zufrieden. Zum Glück kam meine kleine Tochter und streckte ihre Hand in Richtung vegane Wurst, befreite die Große vom Resteessen. Freudestrahlend zeigte Peanut der Frau ihren leeren Teller und wurde erwartungsgemäß gelobt.
 
 
Klar, das Erlebnis hat keine Auswirkung auf Peanuts weiteres Essverhalten. Aber mich hat es massiv geärgert, vor allem weil ich oft leer essen musste und das als echt scheiße in Erinnerung habe. Mir persönlich ist es wichtig, dass meine Kinder ein gesundes Verhältnis zum Essen und zu ihrem Körper aufbauen und auch selbst entscheiden, dass es genug ist. (Ich esse nämlich immer noch auf, egal wie viel drauf ist.) Außerdem, was geht es eine fremde Person an? Ich ärgere mich maßlos, dass ich da nicht hingegangen bin und sie angesprochen habe. Man will ja keine Menschen vor den Kopf stoßen, die es ja nur gut gemeint haben. Dämliche Konventionen. 
 
Wie seht ihr das?
 
Love & Peace,
 
eure Frida
Achtung, da bläst er
Liebster Award von Mo Zart

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