Was ein Reinfall. Die misslungene Kindergarten - Eingewöhnung

Unsere große Tochter Peanut ist seit Ende November 3, und somit hat sie Anspruch auf einen Kindergartenplatz. Tatsächlich ist sie auch "reif" dafür; sie braucht dringend andere Kinder, regelmäßig, und andere Anregungen als nur im häuslichen Umfeld. Wegen unseres Umzugs mussten wir auf den letzten Drücker einen Kindergarten für sie finden und hatten schließlich eine Wahl getroffen, die ganz gut aussah und sich dann als Reinfall entpuppt hat...

 

 

Eingewöhnung - nur wenn eine Bindung da ist

In den meisten Einrichtungen wird nicht nach dem populären Berliner Modell gearbeitet (hauptsächlich für U3 Kinder), sondern "individuell". Das sieht dann so aus, dass bei den Schnuppertagen den Eltern gesagt wird, dass das Kind so langsam oder schnell eingewöhnt wird, wie es das braucht. Und tatsächlich wird dann ziemlich Druck gemacht, denn leider ist es meistens so, dass die Erzieher der Meinung sind, dass sie das ohne Eltern besser hinbekommen. Eine Woche, fertig. Wenn es hoch kommt, zwei. Bei vielen Kindern klappt das tatsächlich, aber wenn man genau hinschaut, kommt nach ein paar Wochen eine Problemphase, in der der Trennungsschmerz noch mal hochkommt. Wird langsamer eingewöhnt, weinen die Kinder erstmal mehr, dafür sind sie langfristig glücklicher.

Vielleicht weiß es der ein oder andere, aber ich bin Sozialpädagogin und habe auch schon als Erzieherin gearbeitet, meistens mit Jugendlichen aber auch schon in einem Kindergarten. Ich weiß also wie das mit der Eingewöhnung so läuft, wie es im Kindergarten abgeht, wie die meisten Erzieherinnen so drauf sind, was die Eltern erwarten, was Kinder davon haben oder auch wie sie leiden können. Kurzum, es kommt vor allem auf die einzelne Erzieherin an und ganz wichtig, die Eingewöhnung muss wirklich gut sein. Denn nur wenn eine Bindung zu mindestens einer Erzieherin aufgebaut ist, kann das Kind sich von der Bezugsperson lösen. Ganz wichtig ist aber auch, dass die Eltern Vertrauen aufbauen können, denn schließlich geben sie ihr Kind ja in fremde Hände. Und Kinder spüren auch ganz genau, wenn sich die Eltern nicht wohlfühlen. Am Besten ist also, wenn die Eingewöhnung Hand in Hand geht und das Kind und seine Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen.

 

Für blöd verkauft und ausgelacht - soll das ein Witz sein? Unsere erste (und einzige) Woche

Wir, soll heißen die ganze Familie, Mama Papa Kinder, schauten uns also vor einigen Wochen zwei mögliche Einrichtungen an, fanden beide ganz ok und entschieden uns schlußendlich für den Waldkindergarten. Ich liebe ja den Wald, die Natur, wuhuuu, Freiheit und so. Die Erzieherin hatte das Konzept auch ganz toll verkauft, mit selbstgekochtem Sirup im Tee und liebevoller Eingewöhnung und so. Alles gar kein Problem. Und als wir ankamen, war es eher wie die Realitätsklatsche direkt ins Gesicht. Die Erzieherin war in Urlaub, die andere die wir nicht kannten, empfing uns. Die erste Begegnung mit ihrem netten Wesen machten wir auf dem Weg in den Wald (morgens starten sie in einem kleinen Häuschen) - wir wurden direkt mal dafür ausgelacht, dass wir unser Kind trugen. Und dann, dass wir mit ihm spielten. Und dann, weil das Kind generell ängstlich war. Hmmm. Auf dem Nachhauseweg erstmal Magenschmerzen. Wie soll das werden?

Am zweiten Tag war der Papa alleine mit Peanut und berichtete wütend, dass er ständig belächelt wurde und auch gestichelt wurde gegen das Klammerkind und den Hätschelpapa. Megamagenschmerzen bei mir.

An Tag drei war ich dann alleine mit beiden Kindern dort und oh Wunder, Peanut überraschte mich - sie war ganz cool im Morgenkreis, ließ sich problemlos anziehen, lief mit den Kindern zusammen in den Wald, und ich wurde gelobt, dass sie sich bei mir ja besser lösen könne. Den Papa solle ich doch bitte nicht mehr schicken. Äh, what? Auf das Drängen der Erzieherin ging ich dann auch erstmals spazieren, was auch gut funktionierte. Zuhause war es übrigens nicht so reibungslos, Peanut schlief total schlecht, Alpträume en masse, dazu auffälliges Verhalten - eine Mischung aus Provokation und Klammern.

 

Magenschmerzen bei Mama und Angst beim Kind

Dann kam erst mal das Wochenende und am Montag ging ich wieder mit Magenschmerzen hin. Wieso? Ich verdrängt die ganze Zeit, was ich für miese Gefühle hatte den Erziehern gegenüber. Sie hatten sich kaum Mühe gegeben, wollten weder etwas von mir noch von Peanut wissen, Bindungsarbeit war auch eher spärlich gesät. So habe ich nicht gearbeitet und ich weiß, dass es grundlegend falsch ist. Eigentlich muss sich eine Bezugserzieherin intensiv mit dem Kind befassen, und ein Vorgespräch zu den Eigenheiten wäre auch nett gewesen. Jedenfalls lief es problemlos, bis zum Morgenkreis - da wurde ich trotz anderer Absprache überrumpelt, doch bitte eineinhalb Stunden nach hause zu gehen. Ich ging, weil meine Tochter meinte, es wäre ok. (Fremdgesteuert und so.) Nach vierzig Minuten riefen sie an und ich traf mein Kind an, nicht heulend aber wie ein Häufchen Elend. Sie habe angeblich nur eine Träne geweint (als ob sie mich deshalb angerufen hätten).

Also nahm ich sie wieder mit und nahm mir vor, am nächsten Tag lasse ich sie nicht allein. Ich hatte mittlerweile Schlafstörungen so beschissen fühlte ich mich mit der Situation. Und Peanut weinte den Rest des Tages fast durch, rief immer wieder ich soll sie nicht allein lassen. Mein Herz blutet immer noch wenn ich dran denke. Wieso hab ich das nur mitgemacht? Wieso lasse ich mich überrumpeln? Weil diese dominante Person mich überfahren hat! Anfängerfehler! 

Am Dienstag war die eigentlich nette Erzieherin wieder da. Nett? Zumindest erlebte ich dann ihr anderes Gesicht. Nachdem es eine halbe Stunde lang gut lief (weil ich Peanut sehr intensiv begleitet hatte) wurde sie pampig, als ich nicht gehen wollte und bedachte mich mit dem Spruch "Also ich will Sie nicht hier haben aber wenn Sie unbedingt meinen." Die Gruppe feierte Kindergeburtstag und es wurde demonstrativ "Wer von den Erziehern will noch einen Kaffee?" gerufen und ich bekam auch mit, wie man über mich lästerte. Ommm! Gute Miene machen - warum gleich noch mal? Ach, weil es auf das Kind zurückfallen würde.

Da es regnete, ging die Gruppe dann auf Gewaltmarsch, wobei mir erst im Laufen gesagt wurde, dass wir keinen Halt machen. Scheiße, Peanut hasst Spazierengehen. Die vormals nette Erzieherin redete auf mich ein, ich solle mir keine Gedanken machen, wenn sie mal mit blauen Flecken nach hause käme, das sei eben die harte Schule des Lebens, Kinder hauen sich nun mal. Die andere meinte, es laufe doch so gut und spätestens in einem halben Jahr erkenne ich mein Kind nicht mehr wieder. Klang wie eine Drohung. Ich solle im Übrigen auch mal loslassen, das Kind brauche andere Kinder und nicht nur mich. Und die Kleine auch bitte nicht so lang stillen, die sei mit 7 Monaten schon alt genug um was Richtiges zu essen.

 

Systematische Traumatisierung

Nach einer Viertelstunde wurde Peanut langsam weinerlich, ist ja auch ziemlich anstrengend für so ein kleines Kind. Also wurde das pädagogische Arsenal ausgefahren, mit Überreden, kurz Hochnehmen, einen Meter tragen, Ablenken. Sie weinte wirklich erbärmlich und ich konnte sie nicht tragen. Wieso gingen die eigentlich einen Spaziergang, der für Erwachsene schon echt anständig ist? Mir wurde noch eine Anekdote erzählt, dass viele kleine Kinder nicht laufen wollten aber die bekäme man schon so weit. Irgendwann reichte es der anderen Erzieherin und sie riss Peanut einfach auf ihre Schultern, obwohl sie Angst vor ihr hatte und "Nein" schrie. Meine Hand durfte sie auch nicht nehmen. Ich presste den Mund zusammen, denn selber tragen konnte ich sie ja auch nicht. Das war übrigens auch die Erzieherin, die unter Bindungsaufbau versteht, meine "Nein" schreiende Tochter auf ihren Schoß zu ziehen, dort festzuhalten und zum Spielen zu zwingen.

Ich muss wohl nicht erwähnen, dass Peanut seit Tagen mega schräg und klettig ist und dass ich da nicht mehr hingegangen bin? Keine Ahnung wie es weiter geht, die anderen Kindergärten sind leider mit Wartelisten versehen, aber da behalte ich sie lieber ein halbes Jahr zuhause. Denn ich sehe nicht ein, nur aus Angst vor mangelhafter Förderung im vermeintlich unsozialen Zuhause oder der Angst vor der Schule mein Kind vorsätzlich zu traumatisieren.

 

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